2.5 Erscheinungsbilder

Ein zentrales Merkmal der Gothic-Kultur ist das Styling, das von vielen Anhängern als Ausdrucks- und Abgrenzungsform eingesetzt wird. Goths, die ihre Lebenseinstellung durch ihr Erscheinungsbild auszudrücken versuchen, bevorzugen allgemein die Farbe Schwarz. Aber auch Blau, Weiß oder Bordeaux-Rot sind vorzufindende Haar- bzw. Kleiderfarben. In Anlehnung an die Wurzeln im Punk werden Strumpfhosen oder Netzhemden absichtlich mit Rissen oder Löchern versehen. Ebenso erinnern manche Frisuren an die Punk- und Wave-Kultur der 1980er Jahre.

Gothic Die Bekleidungsstrategie der frühen Gothic-Szene zeigte sich jedoch nicht wie bei den Punks als Ästhetisierung des Hässlichen oder bei den New Romantics als Revival des Glamourösen vergangener Zeiten, sondern als Inszenierung des Horrors. Besonders bei den Gruftis galt es lange Zeit als modisch, die Vergänglichkeit des menschlichen Daseins gezielt durch ein totenähnliches Auftreten zu versinnbildlichen. Der romantische Aspekt, wie ihn die heutige Gothic-Generation kennt, spielte dabei zunächst nur eine nebensächlicheRolle.
Viele Goths grenzen sich allerdings auch bewusst vom Erscheinungsbild der Punk-Kultur ab. Elemente aus Kleidungsstilen der Renaissance sind ebenso präsent wie ein an das Viktorianische Zeitalter oder an den Jugendstil angelehntes Outfit. Dabei sind die jeweiligen Kleidungsstile jedoch nur selten in reiner Form anzutreffen. In der Regel handelt es sich um einzelne Kleidungskomponenten unterschiedlicher Epochen, die eklektisch miteinander kombiniert werden. Gelegentlich werden neben dem damit verbundenen Kleideraufwand auch hohe Kosten in Kauf genommen, um sich beispielsweise ein stilechtes Rokoko-Kostüm schneidern zu lassen.Einige dieser Kleidungsformen werden als Relikt der New-Romantic-Szene angesehen, andererseits gelten die Darsteller romantischer Vampirfilme als modische Vorbilder.
Markante Merkmale können sein:
Blasse, meist geschminkte Gesichtsfarbe (Leichenblässe oder Viktorianische Ästhetik), häufig hervorgehoben durch dunkle Schminke an Augen und Mund. Bemalungen (Akzentuierung der Wangenknochen und insbesondere Ornamente um Augen und Mund), Piercings sowie Tätowierungen. Ungewöhnliche Frisuren wie "Tellerminen" (kreisförmig ausrasierte Haare, meist in Form von "Krähennestern" oder "Turmfrisuren" gestylt)"Trauerweidenfrisuren" (lange, auftoupierte Haare), Irokesenschnitt (ausrasierter Streifen vom vorderen Haaransatz bis in den Nacken), Undercut (zusätzlich Hinterkopf), teilweise sehr hoch toupiert, meist schwarz, seltener blau, rot und violet gefärbt oder blondiert. Seit den 1990er Jahren sind bei Frauen vermehrt Frisuren vergangener Epochen anzutreffen, vereinzelt auch überschulterlange Haare bei Männern.
Religiöse, okkulte oder esoterische Symbole als Schmuck (bspw. Rosenkränze, Ankh- und Petruskreuze), fast ausschließlich aus Silber.
Armreifen en masse (Einfluss der Wave-Mode), Nieten, Sicherheitsnadeln, Schnallen und Glöckchen. Androgyn gekleidete Männer (und aufgrund der Verwurzelung im Wave auch androgyn gekleidete Frauen).
Lederhosen, Lederjacken (Gothic-Rock-Stil) und Netzhemden, teils zerrissene Kleidung (urtypischer Batcave- bzw. Death-Rock-Look).
"Aladinhosen", Pikes, Dr. Martens oder Creepers (Grufti-Look).
Rüschenhemden, Talare, Dolmane (Husarenjacke) und Uniformjacken des 18.und 19. Jahrhunderts, Kleider aus Samt, Spitze und Chiffon(Schwarzromantik-Stil) Fracks und schwarze Zylinder ("Chapeau Claque"), oftmals mit dunkler Sonnenbrille als Accessoire (angelehnt an Bram Stokers Dracula) Hennins und Hexenhüte (vor allem in den frühen 1990ern populär) Korsetts und Corsagen bei Frauen (seit den 1990ern), häufig in Kombination mit weiten Reifröcken Herrenröcke, Schnürstiefel (Rangers, Getta Grips, Commanders).

Gothic

2.6 Wohnraumgestaltung

Gothic Da der Wohnraum allgemein auch als Wohlfühl- und Rückzugsort genutzt wird, spielt bei vielen Goths insbesondere die Wohnraumgestaltung eine wesentliche Rolle. In den 1980er Jahren war es üblich, die Wände und Zimmerdecken mit zumeist schwarz gefärbten Stoffen und Tüchern auszuschmücken und mit Accessoires wie Rosenkränze, Kreuze, Plastikrosen oder Grabscherpen zu dekorieren. Auch die Zimmereinrichtung bestand häufig aus schwarzen Möbeln und Gegenständen wie Kerzenleuchtern, Grableuchten oder Totenschädeln, wodurch der Wohnraum oft eine friedhofsnahe Atmosphäre vermittelte.
Nachdem sich die Gothic-Szene im Verlauf der 1990er Jahre aus dem Status als Jugendkultur herauslöste, verschwanden diese "heute als klischeehaft geltenden" Formen der Wohnraumgestaltung allmählich und wurden durch weniger makabere Gestaltungsformen abgelöst, die beispielsweise dem Barock- oder dem Romantik-Stil nachempfunden wurden.

2.7 Szenemedien

Zeitschriften für die Gothic-Szene erschienen Anfang bis Mitte der 1990er Jahre nur in geringer Auflage. Neben Fanzines wie The Torturer, das beiläufig auch Kassetten-Compilations mit Newcomern aus dem Gothic-Rock- und Dark-Wave-Umfeld veröffentlichte, etablierten sich vor allem Magazine wie The Gothic Grimoire oder das Gothic-Magazin. Letzteres ist aufgrund seiner Schwerpunktverlagerung bis heute aktiv. Es widmet sich inzwischen dem Spektrum der gesamten Schwarzen Szene und weit darüber hinaus, sodass es bereits Ende der 1990er Jahre den Status als Gothic-Magazin verloren hatte.

Rose

2.8 Verhältnis zu anderen Subkulturen

GothicEin freundschaftliches Verhältnis verbindet Teile der Gothic-Szene mit der Punk- und Psychobilly-Kultur. Ein Grund hierfür findet sich vor allem in den musikalischen Vorlieben, die sich diese Subkulturen teilen (The Cramps, Alien Sex Fiend, Fliehende Stürme). Seit Mitte der 1980er gibt es zudem Beziehungen zur Industrial- und Rivethead-Kultur. Demgegenüber kam es häufiger zu Konflikten mit Anhängern der EBM-Szene, die sich abseits der Schwarzen Szene entwickelte und sich mit der weltschmerz-behafteten Mentalität und dem androgynen Erscheinungsbild, das in Teilen der Gothic-Kultur vorherrscht, nicht anfreunden konnte. Für sie stand martialisches Auftreten und körperbetonte Härte als Zeichen von Männlichkeit im Vordergrund.
Als eines der größten Feindbilder der Gothic-Kultur galt lange Zeit die Metal-Szene. Dieser Feindseligkeit, die von beiden Subkulturen ausging, wirkten in den 1990er Jahren hauptsächlich Künstler aus dem musikalischen Umfeld, wie Secret Discovery, Paradise Lost, Dreadful Shadows oder - ganz gezielt, in Zusammenarbeit mit der Metal-Formation Atrocity, entgegen. Die damit einsetzende Öffnung und zunehmende Verschmelzung beider Subkulturen wird jedoch nicht einheitlich befürwortet und stößt bei einigen Splitterkulturen und traditionell ausgerichteten Vertretern der Gothic-Kultur auf Ablehnung.

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