ÜBERSCHNEIDUNGEN MIT ANDEREN GENRES
In der Fantasy finden sich viele Motive aus anderen Subgenres der Phantastik, etwa der Science-Fiction und dem Horror. Viele Autoren und Verlage sind zugleich in mehreren Genres aktiv, so dass es zu einer personellen wie inhaltlichen Überschneidung kommt und eine klare Abgrenzung schwierig
ist. Hybridformen wie Star Wars, das eine Science-Fiction-Kulisse mit Fantasymotiven anreichert, oder der Cthulhu-Mythos, in dem Science-Fiction, Horror und Fantasy zusammenfließen, sind keine
Seltenheit.
LITERARISCHE WERTUNG
Fantasy wird oft als reine Unterhaltungs- und Trivialliteratur betrachtet, da Fantasyliteratur in
ihrer Entstehungszeit zumeist in Pulp-Magazinen erschien und sich an ein entsprechendes Publikum richtete. Nach den kulturellen Wertungskategorien High & Low wurde und wird Fantasy für gewöhnlich der Low Culture zugeordnet. Die zunehmende Aufweichung von unterhaltender und ernster Literatur hat jedoch auch vor der Fantasy nicht halt gemacht. Einzelne Romane sind über Genregrenzen hinweg als literarische Meisterwerke anerkannt, Fantasymotive finden sich in zeitgenössischen Romanen und Filmen wieder, und auch die Literaturwissenschaft nimmt sich verstärkt der Fantasy an.
VERMARKTUNG UND SERIENCHARAKTER
Trotz der zunehmenden Akzeptanz wird die Fantasy in der Regel weiterhin als
Genreliteratur vermarktet. Covergestaltung, Werbung und Publikationsform (Taschenbuch) richtet sich nach dem vermeintlichen oder tatsächlichen Geschmack der Fantasy-Leser, deren Interesse durch die Publikation von Serien aufrechterhalten werden soll. Dabei kommt es zwangsläufig zu einer Wiederholung genretypischer Elemente, die eine Weiterentwicklung des Genres erschwert. So können immer wieder inhaltlich relativ belanglose Werke allein durch die Verwendung klassischer Themen einen kommerziellen Erfolg erringen, während es anspruchsvollere oder ungewöhnliche Romane deutlich schwerer haben, sich durchzusetzen.
ESKAPISMUS
Der Fantasy wird ein Hang zum Eskapismus unterstellt, weil sie meist eine mittelalterlich geprägte,
vereinfachend strukturierte Gesellschaft darstellt und somit die gesellschaftlichen, politischen oder kulturellen Realitäten und Probleme unserer Zeit ausblendet oder verdrängt. Dieser Vorwurf trifft
auf viele Werke zu, verschweigt aber, dass bereits die frühe Fantasyliteratur ihren fiktiven Hintergrund dazu genutzt hat, philosophische Fragen zu erörtern oder gesellschaftliche Probleme
aufzuzeigen, etwa die König-Artus-Buchreihe von T. H. White. Aber auch zeitgenössische Fantasy greift immer wieder aktuelle Fragestellungen (Krieg, Nationalismus, religiöser Extremismus) auf und spiegelt sie in Motiven, Parodien und geschickten Übertragungen.
RASSISMUS, SEXISMUS UND KONSERVATISMUS
Ein weiterer Vorwurf an die Fantasy ist die als reaktionär empfundene, vereinfachende Weltsicht
vieler Romane, die den Obrigkeitsgedanken gegenüber feudalen Strukturen, eine konservative Ausgestaltung der Geschlechterrollen und die Überbetonung der Unterschiede zwischen Völkern bzw. 'Rassen' beinhaltet. Obwohl sich diese pauschale Kritik durch zahllose Gegenbeispiele widerlegen lässt, kann man eine gewisse Ambivalenz der Fantasy in diesen Spannungsfeldern nicht leugnen, was vor allem auf die Pulp-Vergangenheit des Genres zurückzuführen ist. Moderne Fantasy behandelt diese Fragen zumeist sehr komplex, ohne sie aber vollständig auszublenden.
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