Horrorliteratur

Der Begriff Horrorliteratur bezeichnet eine Literaturgattung, deren Gegenstand die Schilderung von angsteinflößenden und oft übernatürlichen Ereignissen darstellt. Dabei rücken oftmals die Motive der Handlung (Monster, Untote, Vampire etc.) in den Vordergrund.


Überblick und Entwicklung des Genres

Das Sujet des übernatürlichen im weitesten Sinne findet sich spätestens seit der Romance und den Mysterienspielen des Mittelalters in der europäischen Literatur wieder. Es manifestiert sich in seiner reinen Form, also als ausschließliche Darstellung angsteinflößender und übernatürlicher Umstände, jedoch zuerst in der englischen Romantik.

Die Literatur des ausgehenden 18.Jahrhunderts in England reagierte auf die aufklärerischen Ideale der vorhergehenden Zeit und befasste sich mit dem Übernatürlichen und dem Schauderhaften. Diese Romane erzeugen eine schauderhafte Atmosphäre durch düstere Landschaften, unterirdische Gewölbe, unerklärliche Ereignisse etc.. Weiteres wichtiges Element ist der sog. Gothic Villain. Dabei handelt es sich um einen der typischen Protagonisten des Schauerromans: eine hochgebildete, in sich zerrissene und impulsive Gestalt, die zwar sowohl zum Guten, wie auch zum Bösen fähig ist, aber aufgrund der inneren Zerrissenheit immer wieder dem Bösen verfällt. Typische Vertreter dieses Schauerromans, der sog. Gothic Novel dieser Epoche sind zum Beispiel Horace Walpole mit seinem Werk The Castle of Otranto (1764), Ann Radcliffes The Mysteries of Udolpho (1794) oder Matthew Gregory Lewis RomanThe Monk und schließlich auch Mary Shelley mit Frankenstein, or The Modern Prometheus.
Doch auch in der Viktorianischen Epoche finden sich trotz des Hangs zum Realismus immer wieder Vertreter, die mehr oder weniger der Horror- und Schauerliteratur zugerechnet werden müssen. So kann beispielsweise Emily Brontës Wuthering Heights (1847) durchaus mt in diesen Bereich eingeordnet werden. Als hervortstechendster Vertreter der viktorianischen Zeit ist schließlich The Strange Case of Dr. Jekyll und Mr. Hyde von Robert Louis Stevenson zu nennen, der typische Elemente der Horrorliteratur der Romantik mit dem Naturalismus der Spätviktorianischen Zeit verbindet, indem er versucht, den zunächst übernatürlichen erscheinenden Ereignissen einen wissenschaftlichen Hintergrund zu geben. Schließlich sollte auch Dracula von Bram Stoker (1897) nicht vergessen werden




Als moderne Reminiszenz geben sich Robert Blochs Psycho oder Shirley Jacksons Der Spuk in Hill House. Die letzte Hochphase der Horrorliteratur begann in den 70er Jahren mit den Büchern "Der Exorzist" von William Blatty, "Rosemaries Baby" von Ira Levin, Stephen Kings "Carrie" sowie dem angeblich auf einer wahren Begebenheit beruhenden "Amityville Horror".
Weitere aktuelle Autoren sind u. a. international):
Clive Barker, Peter Straub, Thomas Ligotti, Anne Rice, Harlan Ellisson, Dave Gore, Dean Koontz, Brian Keene, Graham Masterton und F. Paul Wilson.
deutschsprachig):
Torsten Sträter, G. Arentzen, Markus Kastenholz, Markus K. Korb, Michael Siefener, Thomas Körner, Tobias Bachmann, Uwe Voehl und Earl Warren
Weiterhin ist Horrorliteratur eines der populären Genres im Heftromanbereich. Beispiele hierfür sind: John Sinclair, Tony Ballard oder Professor Zamorra.


Urbane Legenden

Die Geschichte vom Haken, Die Affenpfote oder Die Spinne in der Yucca-Palme sind Beispiele der typischen Lagerfeuergeschichten, mit denen man einander wohlig erschrecken will. Häufig auch als Mutprobe und Nervenkitzel gedacht. Ihre angebliche Authentizität ergibt sich daraus, dass "der Bekannte einer Bekannten eines Verwandten eines Mörders" sie tatsächlich erlebt haben soll.

Genredefinitionen

Literaturkritiker Douglas E. Winter stellte die These auf, bei der Horrorliteratur "handel[e] [es] sich nicht um eine Gattung von Literatur [...].". Für ihn ist die Horrorliteratur "überhaupt kein Genre, wie Science-fiction oder der Western", es handele sich dabei vielmehr um "ein Gefühl". Dabei ist es nach Winter keinem bestimmten Autoren vorbehalten, dieses Gefühl bei seinem Leser zu erzeugen, den man allgemeinsprachlich als Horrorautoren bezeichnet, wie z. B. in heutiger Zeit bei Stephen King oder auch bei Thomas Harris geschehen. Vielmehr hätten sich immer wieder Autoren aller Kulturen und Epochen mit den Themen der Angst und Gewalt beschäftigt; als Beispiele nennt er namentlich James Joyce, Ernest Hemingway, Nathaniel Hawthorne und Carlos Fuentes, deren Werke teilweise ebenfalls der Horrorliteratur zuzurechnen seien.
Eine andere Sichtweise legen Stephen King in "Danse Macabre" und H. P. Lovecraft in "Die Literatur der Angst" dar: Beide sehen in der Horrorliteratur ein Genre, das den Leser mit seinen Ängsten konfrontiert. Diese Argumentation übernimmt Anleihen aus der antiken Dramentheorie. Dort sollen die Zuschauer durch heftige Gefühlserregungen (Furcht und Schrecken, später bei Lessing Furcht und Mitleid) eine psychische Reinigung erfahren. Dem entspricht auch die Argumentation von Hans Meyer in "Das unglückliche Bewußtsein". In einem kurzen Exkurs über William Beckfords "Vathek" bestreitet Meyer, dass es sich bei "Vathek" um einen Horrorroman handele, da der Autor nicht auf die Erregung von Angst ziele, sondern kühl und unbeteiligt beschreibe.Als Auseinandersetzung mit dem Tod will dagegen Andreas Nohl in seinem Begleittext zu "Das eiserne Leichentuch" die Horrorgeschichte verstehen.



Deutsche Verlage und Buchreihen mit Schwerpunkt Horror(Links)

     Eldur
     Festa-Verlag
     Heyne-Verlag
     Eloy Edictions
     Otherworld Verlag
     Verlag Bastei-Lübbe
     area Verlag Erftstadt
     Die Taschenbuchreihe Knaur Horror




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