2.1 Religion
Goth im Grufti-Look, mit toupierten Haaren, Piercings, Rosenkranz und alchemistischem Symbol auf der Stirn. Die Zugehörigkeit einer Person zur Gothic-Kultur ist unabhängig von Glauben und Religionszugehörigkeit. Goths beschäftigen sich in Grundzügen mit dem Thema Religion und ziehen individuelle Schlüsse, weshalb auch hierbei eine eindeutige Zuordnung nicht möglich ist. Einige Teile der Szene lehnen die Institution Kirche, beispielsweise aufgrund ihrer Kritik an deren Verfehlungen im Laufe der Geschichte, allerdings völligab.

Bei manchen Goths herrscht eine Sehnsucht nach den
Ursprüngen des Glaubens und dem Heidentum vor, das im Verlauf der Christianisierung gewaltsam zerstört wurde. Das drückt oftmals den Wunsch nach den eigenen Ursprüngen und Wurzeln aus. Es lässt sich darüber hinaus ein Interesse an okkulten oder neuheidnischen Inhalten feststellen. Damit
einher geht eine Tendenz zum Synkretismus. Obwohl sich etliche Anhänger der Gothic-Bewegung vom
Satanismus distanzieren und ein völlig anderes Lebensgefühl auszudrücken versuchen, werden sie aufgrund ihrer äußeren Erscheinung oft mit diesem in Verbindung gebracht und von Außenstehenden belächelt oder gar als potentiell gefährlich eingestuft. Zwar gab es in der Grufti-Szene der 1980er mehrfach Szenemitglieder, die sich oberflächlich mit dem Thema Satanismus auseinandersetzten, den meisten Gruftis war Satan jedoch kein Anliegen. Ihr Outfit und ihre Eigenheiten entsprangen vielmehr einer morbiden Grundstimmung, die das einigende Element der frühen Grufti-Szene darstellte.Die gesellschaftlichen Vorurteile treffen allerdings die an sich uneinheitliche Gothic-Kultur
in ihrer Gesamtheit. Sie mögen gerade bei jüngeren Personen, die in die Szene hineinwachsen, den Glauben verstärken, eine Ablehnung des christlichen Glaubens oder gar eine Hinwendung zum Satanismus sei Voraussetzung, um als Szeneangehöriger anerkannt zu werden. Dies ist jedoch nicht der Fall.Häufig wird mit okkulten Symbolen, z. B. dem vorchristlichen Pentagramm oder dem Petruskreuz, zum Zwecke der Provokation gespielt. Oft ist es jedoch die in der Szene verbreitete Faszination an der Mystik, die Goths zum Tragen okkulter Symbole bewegt.Ein Teil der Szene ist christlich geprägt. Ein Beispiel hierfür liefert der jährlich zum Wave-Gotik-Treffen stattfindende Schwarze Gottesdienst in der Peterskirche.

Eine eindeutige politische Ausrichtung der Gothic-Szene ist nicht feststellbar. Allerdings sind konservative oder rechtsgerichtete Ideologien seltener anzutreffen. Einige Goths interessieren sich für linksalternative Politikansätze, andere wiederum vertreten gänzlich unpolitische Ansichten. Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit werden in der Gothic-Kultur jedoch weitgehend abgelehnt. Dieser Umstand machte sich unter anderem in den frühen 1990er Jahren bemerkbar. Zeitschriften wie
das Bonner Szene-Magazin "Gothic Press" wiesen 1992 auf die Gefahr des Rechtsextremismus hin und sprachen sich klar gegen rechtsextreme Gewalt aus. Gleichzeitig distanzierte sich jedoch ein Großteil der Szene von jeglichen politischen Ideologien und sah Aktionen gegen Rechtsradikalismus und Rassismus als selbstverständlich an.
2.3 Bevorzugte Musikformen
Die Gothic-Kultur entstand auf der Grundlage der frühen Gothic-Musik, des so genannten Gothic Punk,
umgangssprachlich auch als Batcave bezeichnet. Daneben wurde eine Vielzahl weiterer Spielarten favorisiert, die sich - abgesehen vom Death Rock - primär im Dark-Wave-Umfeld entwickelten. Ab dem Ende der 1980er Jahre starben viele dieser Genres aus und wurden schrittweise durch szene-fremde Musikstile abgelöst, sodass die Gothic-Bewegung in ihrer gegenwärtigen Form - und bis auf wenige Nischenbands - über keine eigenständige Musikszene verfügt, sondern aus der musikalischen
Bandbreite der gesamten Schwarzen Szene schöpft. Diese Eigenart unterscheidet sie von anderen Subkulturen wie der Punk-Szene oder der Metal-Kultur. Überdies gibt es zahlreiche retrospektiv ausgerichtete Goths, die sich auf das musikalische Output der 1980er und 1990er Jahre beschränken und von außen initiierten Trends eher kritisch gegenüberstehen.
Häufig präferierte Musikformen waren/sind:
Dark Wave
(einschließlich Spielarten wie Gothic Rock, Cold Wave, Ethereal, Neoklassik sowie die Neue Deutsche Todeskunst)
Death Rock Depro-Punk, Horrorpunk
New Wave Electro Wave, Synthie Pop, Minimal Electro
Post-Industrial(unter anderem Dark Ambient oder Death Industrial)
Mittelalterlich inspirierte Musik teils auf historisch informierter Aufführungspraxis beruhend (bspw. Dead Can Dance, Estampie, Qntal)
2.4 Tanzstile
In der Gothic-Szene sind unterschiedliche Tanzformen präsent, die grundsätzlich solistisch
ausgeführt werden. Paar- oder Gruppentänze sind dieser Kultur fremd. Noch in der Entwicklungsphase der frühen Gothic-Szene war der Pogo als Tanzstil weit verbreitet. Dieser wurde direkt aus dem Punk-Umfeld übernommen und konnte mit dem Batcave-Revival nach der Jahrtausendwende erneut Bedeutung erlangen. Daneben war in den 1980ern bei den Gruftis der so genannte "Totengräber" prävalent,spöttisch auch als "Nord-Süd-Kurs" oder "Staubsaugertanz" bezeichnet. Hierbei bewegt sich der Tänzer drei Schritte vor, beugt seinen Oberkörper - nach links oder rechts geneigt - nach unten und bewegt sich mit ebenso vielen Schritten zurück zum Ausgangspunkt. Mit der Umsetzung des Tanzes entsteht häufig der Eindruck, der Tänzer würde auf der Tanzfläche ein Grab schaufeln. Beide Tanzformen, der Pogo wie auch der "Totengräbertanz", werden ohne Rücksicht auf den Takt der Musik ausgeführt. Mitunter wurde bei besonders schwermütiger Musik eine Form von "Anti-Tanz" dargeboten, die sich durch ein regungsloses Herumstehen auf der Tanzfläche, meist mit verschlossenen Augen, äußerte: "Man tanzt halt nicht, sondern steht auf dieser Tanzfläche und lässt die Musik so richtig schön in sich
hineinkriechen."
In den 1990er Jahren kamen vermehrt rhythmusorientierte Tanzformen hinzu, deren theatralisch betonte Gesten teilweise an die indischer oder orientalischer Tempeltänzerinnen erinnern.
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