Chiang-Shih (China)
Der Jiang Shi (chinesisch : starrer Leichnam) ist die chinesische Abart des Untoten. Schon in den Liaozhai Zhiyi, einer Kurzgeschichtensammlung des 17. Jahrhunderts, werden sie erwähnt, obwohl die Wesen, die vor allem der Folklore entstammen, wesentlich älter sein dürften. Oft sind Jiang Shi Leichen, bei denen sich der Tod (yin) wieder mit der positiven Lebenskraft (yang) vermischt - durch die Vermischung beider Aspekte entsteht ein mächtiger Wiedergänger, der des Sprechens zwar nicht mächtig ist, aber es durchaus versteht zu töten. Anderen Legenden zufolge steht der Leichnam wieder auf, weil das po, ein Teil der menschlichen Seele, den Körper nicht verlassen konnte. Jiang Shi sind scheußlich anzusehen: blass, ja fast blau, mit gräßlichen Krallen, Augen und einem fürchterlichen giftigen Atem. Meist verfolgen sie ihre Opfer blindlings, später können sie sogar fliegen. Doch sie laufen nicht immer - manchmal hat die Totenstarre schon eingesetzt, und sie sind gezwungen, zu hüpfen. Selbstverständlich sind diese Wesen nachtaktiv, und man sollte tagsüber schleunigst das Grab
des Unholds ausfindig machen und ihn durch Verbrennen vernichten, denn je länger ein Jiangshi auf Erden weilt, desto mächtiger kann er werden: Manchmal verwandelt er sich in einen mächtigen Löwen oder gar Riesen. Jiang Shi werden oft von Zauberern kontrolliert, in dem dieser einen Papierstreifen an der Stirn des Jian Shi befestigt. Auf dem Papierstreifen steht, was der Jian Shi für den Zauberer tun soll. Jiang Shi können mit Hühnereiern, taoistischen Zaubersprüchen und Acht-Trigramme-Spiegel bekämpft werden. In den 1980ern wurden zahlreiche Jiang Shi-Filme in Hongkong gedreht, sodass man schon von einem eigenen Genre sprechen kann.

Dhampir (oder auch Vampir) (Albanien)
Ein Dhampir (auch dhampir, dhamphir or dhampyr) ist gemäß albanischer Folklore und in Vampir Romanen das Kind eines Vampirvaters und einer menschlichen Mutter. In fiktionalen Geschichten ist auch das umgekehrte möglich. Einem Dhampir wird nachgesagt, dass er die einmalige Fähigkeit besitze, Vampire auch dann zu sehen, wenn sie unsichtbar sind und ist besonders geeignet sie zu töten.
Vampir (Vampir), Vukodlak (Werwolf) Serbien oder Kudlak (Werwolf) (Kroatien, Dalmatien)...
Die meisten durch die Medien international verbreiteten Vampirtypen und ihre Namen wurden von dem britischen Okkultisten Montague Summers (1880-1948) ermittelt. Der Okkultist war von der Existenz von Vampiren und Werwölfen überzeugt und deklarierte zum Beweis für seine These jedes nur denkbare Spukwesen als Vampir, wenn ihm die Volksüberlieferung des betreffenden Landes auch nur irgendwie Blutsaugen oder Ähnliches nachsagte, selbst wenn dieses Wesen der von Summers selbst entwickelten Definition eines Untoten völlig widersprach. Es ist in Kreisen der Internet-Vampirologen üblich,
Summers ungeprüft zu zitieren, meistens sogar aus zweiter oder dritter Hand, und so werden inzwischen bekannte Irrtümer fleißig weitergegeben. Allerdings sind die Bücher von Montague Summers keine leichte Lektüre, sondern setzen einiges an Sprachkenntnissen (vor allem Latein) voraus.

Ebenso geht der vom Vampirmythos abgeleitete Vampirismus auch auf den Aberglauben zurück, dass das Trinken von Blut, als Essenz des Lebens, ebenfalls lebenspendend sei. Sehr bekannt ist in diesem Zusammenhang die als "Blutgräfin" berüchtigte Erzsébet Báthory (Elisabeth Bathory) die aus einer ungarischen Adelsfamilie stammt. Sie soll nach dem Tod ihres Ehemannes im Blut von über sechshundert durch Versprechen auf ihr Schloss gelockten jungfräulichen Dienstmädchen gebadet haben, um sich
jung zu halten. Diese Unterstellung wurde jedoch nie belegt oder bewiesen. Ebensowenig hat das Treiben der Gräfin Báthory etwas zur Entstehung des Vampirmythos in Osteuropa beigetragen.
"BELEGTE" VAMPIRE
Der erste bekannte Vampir stammte aus Kroatien, aus dem kleinen Dorf Kringa (Istrien) und soll dort im Jahre 1652 gestorben sein. Er war ein Bauer und trug den Namen Jure Grando. Im Jahre 1672 soll er aus seinem Grab gestiegen sein und des Öfteren das Dorf terrorisiert haben. In dem Buch von Johann
Weichard Valvasor wird dieser Vampir das erste Mal in der europäischen Literatur erwähnt. Johann Joseph von Gorres übernimmt diese Geschichte in seinem Buch "La Mystique divine, naturelle et diabolique", das 1855 in Paris gedruckt wurde.

Der bekannteste Vampir vom Typ Nosferatu, der angeblich in der rumänischen Volksmythologie existiert, ist wohl Dracula (Vlad III. Draculea), der an Vlad Tepes (deutsch: "der Pfähler") angelehnt ist. Er
scheint das Produkt einer Fehlübersetzung zu sein, das von einer schottisch-amerikanischen Autorin im 19. Jahrhundert in die Welt gesetzt und im 20. Jahrhundert von einschlägigen Sachbuchautoren mit
allerlei phantastischen Eigenschaften versehen wurde, bis es aus den Vampirlexika nicht mehr wegzudenken war.
Bis heute scheint es bei verschiedenen Völkergruppen (Asien, Afrika, Südamerika; aber auch Osteuropa) den Glauben an Vampire oder vampirähnliche Gestalten zu geben, für den es keinerlei wissenschaftliche Beweise gibt. Besonders das Internet hat sich als beliebtes Verbreitungsmedium herauskristallisiert.
VAMPIRE IM DEUTSCHSPRACHIGEN RAUM
Vor allem im 18. Jahrhundert wurden viele Vampirfälle gemeldet, überwiegend aus Dörfern in
Südosteuropa. Nach dem Ende des letzten Türkenkrieges 1718 waren einige Landteile, z. B. Nordserbien und ein Teil Bosniens, Österreich zugefallen. Diese Landteile wurden mit griechisch-orthodoxen
Flüchtlingen besiedelt, die den Sonderstatus von abgabefreien Wehrbauern hatten. Dafür sorgten sie für die landwirtschaftliche Erschließung sowie für die Grenzsicherung, sodass erstmals Vampirberichte auch in den deutschsprachigen Raum gelangten. Zwischen 1718 und 1732 wurden aus den osteuropäischen Dörfern regelrechte Vampirepidemien gemeldet. Eine der ersten und bekanntesten Meldungen ist von 1724/25 und betrifft das Dorf Kisoslova in Nordbosnien. Der Kameralprovisor Frombald wurde mit der Klärung der Vampirfälle beauftragt. Sein Bericht wurde am 31.7.1725 in der österreichischen Staatszeitung veröffentlicht. Frombald beschrieb, was er in Kisoslova erlebt hat. In diesem Dorf trat ohne ersichtlichen Grund ein vermehrtes Sterben der Bewohner auf, so verstarben innerhalb von acht Tagen neun Personen verschiedenen Alters nach eintägiger, angeblich bereits
ausgestandener Krankheit. Dafür wurde Peter Plagojevic (auch: Plogojovitz oder Blagojevic) verantwortlich gemacht, der zehn Wochen zuvor gestorben war. Auf dem Totenbett sagten alle Erkrankten aus, sie seien im Schlaf von Plagojevic gewürgt worden, was später als die Handlung eines Vampirs gedeutet wurde. Das Grab von Plagojevic wurde geöffnet und man fand die Leiche angeblich im Zustand eines Vampirs: sie war noch recht unverwest, hatte eine frische Farbe und strömte kaum
Verwesungsgeruch aus. Außerdem waren Haut, Haare und Nägel nachgewachsen, nachdem sich die ursprünglich Haut und die Nägel abgeschält hatten. Ebenso fand man an den Körperöffnungen frisches
Blut, das man für das Blut der Opfer hielt. Die Dorfbevölkerung beschloss deshalb, den Leichnam zu pfählen und anschließend zu verbrennen. Die Meldung erregte sehr viel Aufsehen, der Vampirglaube in
Osteuropa geriet im deutschsprachigen Raum aber schnell wieder in Vergessenheit. Meistens wurden in die betroffenen Dörfer Mediziner oder Geistliche gesandt, um die Vampirfälle aufzuklären. Diese exhumierten die vermeintlichen Vampire und schrieben - oftmals ausführliche - Berichte über die Plage. Außerdem sorgten sie dafür, dass alle suspekt erscheinenden Leichen enthauptet und verbrannt wurden.

Ab 1732 wurden die zahlreichen Vampirberichte unter einem anderen Gesichtspunkt betrachtet und vor allem wissenschaftlich und medizinisch untersucht. Es erschienen zahlreiche Dissertationen zu diesem Thema. 1732 fanden die Berichte über den Vampirmythos auch Gehör in der französischen sowie niederländischen Öffentlichkeit durch Veröffentlichungen der Berichte aus den Wehrdörfern in verschiedenen Zeitungen. Die in die entsprechenden Regionen geschickten Mediziner und Theologen schrieben die Todesfälle häufig einer bisher unbekannten Seuche zu. Bei zu oberflächlich begrabenen Opfern der Seuche konnte diese weiterhin übertragen werden, was das vermehrte Sterben in den Dörfern erklären sollte. Alle für einen "Vampir" typischen Kennzeichen ließen sich auf natürliche Ursachen des Körpers zurückführen und erklären, so Michael Ranft, der als erster auf den Bericht von 1725 aus Kisoslova reagiert hatte. Er fasste verschiedene Traktate, so z. B. die "Dissertatio historico-critica de masticatione mortuorum in tumulis oder von dem Kauen und Schmatzen der Todten in Gräbern". Er erklärte alle Vampirkennzeichen rational, z. B. das Kauen und Schmatzen mit Vorgängen der Fäulnis und Geräuschen des Tierfraßes, die Unverweslichkeit mit der Abhängigkeit von Umgebungseinflüssen und der Konstitution des Verstorbenen sowie das frische Blut an den Körperöffnungen der angeblichen Vampire mit rötlich gefärbtem Wasser und Sekret. Die von Medizinern und anderen Menschen angeblich erkannten Merkmale führte er auf Angst, Aberglaube und eine dadurch überspitzte Einbildungskraft zurück. Augustin Calmet, ein französischer Benediktiner und Gelehrter,
erklärte in seiner 1745 erschienenen Schrift "Gelehrte Verhandlungen der Materie von den Erscheinungen der Geister, und der Vampire in Ungarn und Mähren", dass es bereits um 1680 Meldungen von Vampiren gab, vor allem aus dem serbischen und slawischen Sprachraum. Auch er fand natürliche Ursachen für die Vampirkennzeichen. Im Jahre 1755 wurde Gerard van Swieten nach Mähren geschickt, um die dortige Vampirlage aufzuklären. Van Swieten war Leibarzt von Maria Theresia, der Erzherzogin von Österreich und Königin von Ungarn und Böhmen. Er untersuchte die angeblichen Vampirfälle gründlich und verfasste zu diesem Thema einen nüchternen Bericht, bei dem er - ähnlich wie Ranft - natürliche Ursachen als Erklärung für den Vampirglauben angab.
