Vampire

Gerard van Swieten zählt wohl zu den wichtigsten Kämpfern gegen den sog. Aberglauben des "einfachen" Volkes. Aufgrund seines Berichtes erließ Maria Theresia einen Erlass zum Thema der Vampire, der alle traditionellen Abwehrmaßnahmen wie das Pfählen, Köpfen und Verbrennen verbot. Außerdem verfügte sie, dass Hinweise auf sogenannte auferstandene Tote ab sofort nicht mehr der Kirche, die dem Aberglauben noch Vorschub leistete, sondern den Behörden zu melden seien. Vampire Zudem entsandte sie 1756 den deutschen Chirurgen Georg Tallar in die vom Vampirglauben betroffenen Gebiete, um die Lage noch einmal zu untersuchen und einen erneuten Bericht zu verfassen. Gerade Osteuropa wurde zu der Zeit als rückständig und zivilisationsbedürftig angesehen. Es galt somit gerade im 18. Jahrhundert als der Gegenbegriff zu West- und Mitteleuropa, das sich selbst als aufgeklärt bezeichnete. Die Aufklärer sahen es als Skandal an, dass ein solcher "Aberglauben" überhaupt aufkommen konnte. Sehr treffend beschrieb zudem Jean-Jacques Rousseau den Vampirmythos des 18. Jahrhunderts: "S'il y eût jamais au monde une histoire garantie et prouvée, c'est celle des vampires. Rien ne manque: rapports officiels, témoignages de personnes de qualité, de chirurgiens, de prêtres, de juges: l'évidence est complète." (übersetzt etwa: "Wenn es jemals in der Welt eine bewiesene und geprüfte Geschichte gab, dann die der Vampire. Es fehlt an nichts: offizielle Berichte, Zeugenaussagen von Gewährspersonen, von Chirurgen, von Priestern, von Richtern: die Beweise sind vollständig.")
Interessanter Weise war gerade die Kirche, die vermeintlich dem Aberglauben noch Vorschub leistete - so z. B. die Meinung Maria Theresias -, zumindest zum Teil erstaunlich aufgeklärt und widersetzte sich den "Maßnahmen" gegen Vampire. So schrieb Papst Benedikt XIV. einen Antwortbrief auf die Anfrage eines polnischen Erzbischofs, wie man denn gegen die "Vampire" vorgehen sollte, wobei er bereits auf van Swietens Bericht zurückgreifen konnte. Vampire Der Papst, der als fortschrittlich und Förderer der Aufklärung galt, machte in seinem Brief klar, dass er den Vampirglauben für Unsinn hält und bedeutete dem Erzbischof, dass es an ihm liege, diesen "Aberglauben" auszurotten. Ebenso legte er ihm nahe, diejenige Priester, die den Aberglauben noch fördern, ihres Amtes zu entheben. In Deutschland ist der Begriff des "Vampirs" seit ca. 1720, d. h. seit den ersten Berichten über die so genannten "serbischen Vampire" (Kisolova, Medveca), belegt. Frühere Belege, wie etwa die im Internet kursierende Abschiedsrede ("Ihr nennt uns Vampire") eines angeblich 1643 in Münster hingerichteten französischen Adligen namens Villain de Boaz, haben sich im Nachhinein als pseudopoetische Fälschung erwiesen. Goethes Ballade Die Braut von Korinth (1797) benutzt den Vampirmythos - zumindest in Anklängen - literarisch, denn seine untote Braut saugt kein Blut, sondern nimmt ihren Geliebten mit ins Grab.Im deutschsprachigen Raum ist der Vampirglaube in seiner reinen Form nicht nachgewiesen, obwohl es zahlreiche Hinweise gibt, beispielsweise parallele Glaubensvorstellungen und Maßnahmen, die gegen einen Wiedergänger ergriffen werden konnten. Nach der Vorstellung in weiten Teilen Deutschlands lag der Untote weiterhin im Grab und saugte als so genannter Nachzehrer seinen Hinterbliebenen die Lebenskraft ab. Bereits im 14. bis 17. Jahrhundert gab es in Europa den Glauben an das sog. "Nachsterben", an tötende Wiedergänger und Nachzehrer. Diese sollten aufrecht im Grab sitzen und durch das Kauen auf dem Leichentuch oder an ihren eigenen Extremitäten ihren Verwandten die Lebensenergie aussaugen und sie zu sich ins Grab holen. Die Todesfälle dauerten so lange an, bis das Leichentuch aufgezehrt war; in dieser Zeit war aus dem Grab ein Schmatzen zu vernehmen.

Vampire


Auch der "Neuntöter" (Pommern, Ostpreußen) und der "Doppelsauger" (Wendland) sind Gestalten, die der Figur des klassischen Vampir sehr nahe kommen und ihre Bekämpfung gleicht derjenigen der südosteuropäischen Vampire bis ins Detail. So gibt es, wie einige Vampirhandbücher berichten, in Südamerika die Vorstellung, dass sich die Vampire in Fledermäuse verwandeln können. Die konkreten Quellenbelege dafür, dass die Verwandlungsvorstellung tatsächlich dort verbreitet ist, werden nie mitgeliefert. Sollten diese Berichte über die Verwandlungsvorstellung der Realität entsprechen, so wäre dies wahrscheinlich auf die Tatsache zurückzuführen, dass es in Südamerika eine Gruppe von Fledermäusen gibt (Vampirfledermäuse), die sich ausschließlich von Blut ernähren, meistens allerdings von Tierblut. Die Berichte über Vampirfledermausattacken auf Menschen sind teilweise spekulative oder sensationslüsterne Phantasieprodukte, jedoch kommt so etwas vereinzelt tatsächlich vor. Hier zeigt sich bereits, die historische Verwandtschaft der Thematik des Vampirs mit dem Glauben an Werwesen (auch Lykanthropen genannt).

Vampire


Echte Vampire

Der Gemeine Vampir (Desmodus rotundus) ist eine auf dem Amerikanischen Kontinent lebende Fledermausart. Diese Spezies ist die bekannteste - und auch am besten erforschte - der drei Arten der Vampirfledermäuse (Desmodontinae), der einzigen Säugetiergruppe, die sich ausschließlich vom Blut anderer Tiere ernährt. Gemeine Vampire sind als Überträger von Krankheiten wie der Tollwut auf Nutztiere und Menschen gefürchtet, gleichzeitig liefert ein gerinnungshemmendes Enzym in ihrem Speichel wichtige Impulse für die medizinische Forschung.

Vampire

Desmodus rotundus